Meinung

Gaming als Subkultur. Das Esports-Potential für die Musik-Industrie und andere Bereiche

Esports wird oft mit der traditionellen Sportindustrie verglichen. Es gibt Sportarten, Ligen, Teams, Spieler und weitere Ähnlichkeiten, die den Vergleich sinnvoll erscheinen lassen. Ich bin nach wie vor Verfechter der Meinung, dass sich Esports im Dreieck zwischen Gaming, Sport und Entertainment bewegt. In den letzten Wochen und Monaten drangen immer wieder Pressemitteilungen an die Oberfläche, die im Zusammenhang mit Gaming/Esports und der Musikindustrie stehen. Ich habe unten einige Beispiele in englischer Sprache von The Esports Observer aufgeführt. Diese sind weder chronologisch noch nach Kontext sortiert, sondern dienen lediglich der Verdeutlichung:

  1. ESL und UMG Europe (Universal Music Group) schließen sich zusammen um ein Plattenlabel zu gründen (Link)
  2. ESL und UMG Europe nehmen Künstler TheFatRat unter Vertrag (Link)
  3. Streamer Ninja erweitert sein Partner-Portfolio um das Plattenlabel Astralwerks (Link)
  4. Imagine Dragons investieren in ReKTGlobal und werden damit zu Teilhabern an Team Rogue (Link)
  5. Die ESL und Wacken haben eine Partnerschaft bekannt gegeben (Link)
  6. Podcast mit Gustav Käll, Head of Esports UMG (English, Link)

Während Imagine Dragons bereits im Jahr 2014  Teil der Eröffnungsfeier der League of Legends Worlds 2014 waren, möchte ich einen aktuellen Fall ganz besonders hervorheben. Die Eröffnungsfeier der diesjährigen League of Legends World Championship, vorgestellt von MasterCard, und den Fall K/DA. Wer nicht weiß, worüber ich spreche, sollte sich das folgende Video ansehen:

Wenn wir von der AR-Inszenierung absehen, zeigt Riot Games hier ganz deutlich das Potential einer Integration von Gaming und Musik. Interessanterweise dient die Integration zudem auch als Promotion for Riot Games’ KPOP Skin-Set für die Charaktere Kai’Sa, Ahri, Evelynn, und Akali, die wir auch im Video auf der Bühne sehen können. Die Integration ist also aus mehreren Blickwinkeln interessant. Sie kombiniert nicht nur Gaming und Musik, sondern wird auch höchstwahrscheinlich die erzielten Umsätze der Skins anheizen. Kürzlich hat Riot Games weiterhin angekündigt, gemeinsam mit FUGA an der Distribution des Musikkatalogs zu arbeiten. FUGA arbeitet bereits mit dem kanadischen Label Monstercat, welches laut The Esports Observer die Musik für Psyonix’s Spiel Rocket League kreiert.

Die K/DA Single POP/STARS befindet sich seit dem 03. November auf Spotify und hat bis heute (30 November, 15:00h) bereits rund 29,5 Millionen Aufrufe vorzuweisen. Das verlinkte Video der Opening Ceremony schaffte es auf rund 3,2 Millionen YouTube-Aufrufe und das offizielle Musikvideo kann seit dem 03. November 94,3 Millionen YouTube-Aufrufe vorweisen. Zudem wurde Twitter zeitweise mit einer Vielzahl von Videos geflutet, in denen u.a. Fans die im Video gezeigten Tanzschritte nachahmen. Besonders im Fall von League of Legends und K/DA, sollte man die Zahlen aus einem bestimmten Blickwinkel betrachten:

Die Zahlen und das Engagement wurden zumindest initial primär von Gamern mit Berührungspunkten zu League of Legends in die Höhe getrieben.

Warum ist das relevant? Ich habe bereits in einem meiner letzten Artikel angesprochen, dass Esports ein Sammelbegriff für mehrere Disziplinen und Strukturen ist. Wie in der Einleitung beschrieben, liegt der Vergleich von Esports und Sport nahe. Ich möchte allerdings auf ein anderes Gedankenexperiment hinaus. Die Spiele (Disziplinen) sind oftmals so unterschiedlich, dass diese meiner Meinung nach oftmals unterschiedliche Subkulturen bedienen. Während diese These auch für die traditionelle Sportindustrie wahr sein kann, möchte ich die Parallelen zur Musikindustrie verdeutlichen. Wenn wir uns gedanklich einen Metal-, einen Techno- und einen Hip Hop-Konsumenten vorstellen, sehen wir nicht nur unterschiedliche Musikrichtungen. Wir sehen oftmals auch unterschiedliche Subkulturen. Natürlich ist das nicht die absolute Wahrheit und es wird viele Überschneidungen geben. Dennoch gilt: Wahrnehmung ist Realität. Ich stelle die These auf, dass Gaming und insbesondere Esports, wie auch Musik, Teil einer neuen und wachsenden Jugend- und Subkultur ist. Es ist Lifestyle.

Wem diese Betrachtung zu einseitig ist, dem möchte ich mit einem Ausschnitt der DreamHack Summer 2018 (DHS18) ein weiteres Beispiel geben. Was sind die ersten Assoziationen, wenn man sich die Opening Ceremony der DHS18 anschaut?

Musik-Festival? Party? Cosplay? LAN-Party? Videospiele? Die DreamHack ist ein digitales Festival, welches ganz ohne Alkohol all diese Subkulturen miteinander zu einer großen Party vereint.

Riot Games ist auch in weiteren Richtungen aktiv und hat u.a. angekündigt, gemeinsam mit Marvel Entertainment eine Reihe von Comics zu produzieren, um die Geschichten der Charaktere aus dem erfolgreichen Spiel zu beleuchten. Zum Abschluss bleibt wohl noch zu sagen:

Es gibt einen Grund, warum Marken aus Bereichen wie Musik, Kleidung, Ernährung u.v.m. versuchen das Thema Esports zu besetzen.

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